Ökosystem Moor
Definition Ökosystem
• Dynamisches System mit zahlreichen Wechselbeziehungen zwischen Lebewesen und Lebensraum
• Komplexes Wirkungsgefüge zwischen Organismen
• Größe kann variieren von Wasserloch bis tropischen Regenwald
• Fließende Übergänge zwischen einzelnen Ökosystemen, da kleinere innerhalb größerer liegen können
Definition Moor
• Dauernd feuchtes, schwammiges, oft unzugängliches Gelände
• 3 Arten: - Flachmoor/Niedermoor
- Übergangsmoor
- Hochmoor/Regenmoor
• hat eine mind. 20 – 30 cm mächtigen Torfdecke
( im unentwässerten Zustand)
• Grundvorrausetzung ist großer Wasserüberschuss, der Wachstum Feuchtigkeitsliebender Pflanzen begünstigt
• organische Substanz wird schneller produziert als abgebaut, führt zur Anhäufung von teilweise abgebauten
Pflanzenmaterial
>
Torfbildung
Sumpf ist nicht gleich Moor
• Sümpfe bildet keinen Torf
• Wichtigste Unterschied ist Wassersättigung
• Moore: - ständig wassergesättigt
• Sümpfe: - starke Wasserschwankung,
- längere, periodische Trockenphase
Entstehung eines Moores

1. Faulschlamm
setzt sich in den Schmelzwasserseen ab.
2. Seen und Versumpfungsgebiete verlanden (Schilfrohr, Binsen und andere
Sumpfpflanzen).
3.
Abgestorbene Pflanzen vertorfen und Niedermoor entsteht.
4. Es bilden sich Bruchwälder (u. a. Erlen- und Birkenbruchwälder
5. Bruchwaldtorf entsteht
6. Torfpolster ersticken die Bruchwälder, und abgestorbene Torfmoose vertorfen
Quelle:
http://www.nordwestreisemagazin.de/moor.htm

Der Grundstein zur Bildung von Mooren wurde nach der letzten Eiszeit vor ca 10000 Jahren gelegt.
In dieser Zeit bildeten sich Schmelz- und Staugewässer, in diesen kam es zu Schlammablagerungen (Mudden)
Diese (Mudden) wurden durch ihr Eigengewicht stark zusammengepresst.
Mit zunehmender Erwärmung des Klimas bildeten sich am Ufer Pflanzen, mit der Zeit wuchsen sie bis zur Mitte des Sees.
Durch Zersetzung der Pflanzenreste bildete sich ein Flachmoor, mit Flachmoortorf,
Daraufhin kam es zum Wachstum von Weidenbruchwäldern und Schwarzerlen
Durch ständiges wachsen der Pflanzen hebt sich das Moor langsam
über der Umgebung hinaus.jpg)
Dadurch wird das Moor immer mehr mit nährstoffarmen Regenwasser versorgt
und es kommt zur Ansiedlung weniger anspruchsvollerer Kiefern und Birken
Ein Übergangsmoor ist entstanden
Nun siedeln sich vermehrt die Tormoose an u ersticken Wurzeln der Bäume, diese sterben ab und fallen in das Moor > werden zu Torf zersetzt
Das Torfmoos hat nun eine Höhe erreicht in dem der Kontakt zum Grundwasser vollständig abgerissen ist, ein Hochmoor ist entstanden welches ein urglasförmiges aussehen besitzt
Niedermoor
Niedermoore entstehen unabhängig vom Klima durch Vernässung durch das Grundwasser.
Sie können z.b aus verlandeten Seen entstehen.
Ein Merkmal ist das sie sich kaum über den Grundwasserspiegel erheben, und haben meist eine flache Oberfläche.
ihr pH-Wert liegt zwischen 4,5 und 7 (je nach Kalkgehalt).
Sie sind unterschiedlich stark mit Mineralstoffen versorgt (hängt vom Grundwasser ab)
und haben einen mäßig starken Zersetzungsgrad.
Sie besitzen meist artenreiche Tier- und Pflanzen Gesellschaften.
Übergangsmoor
Ein Moor welches sich gerade vom Niedermoor zum Hochmoor entwickelt.
Weniger anspruchsvolle Kiefern und Birken bestimmen dort die Pflanzendecke.
Übergangsmoore besitzen meist einen geringen Nährstoffgehalt und sind mesotroph.
Hochmoor
Bei Hochmooren spricht man immer von Regenmooren da sie an ein Niederschlagsreiches Klima gebunden sind
Dort ist ein Wasserüberschuss vorhanden > sehr schlecht durchlüfteter Boden
Der Wasserhauhalt wird durch Niederschlagswasser gedeckt, da keine Verbindung zum Grundwasser besteht
Die Bilanz zwischen zugeführtem Wasser und durch Verdunstung bzw. abfließendem Wassers, ist positiv (Grafik siehe Def. Moor)
Hochmoore besitzen eine Oberfläche die über der Umgebung hinaus ragt > urglasförmige gewölbte Oberfläche
Ein besonderes Kennzeichen ist der niedrige Ph-Wert von 2,5-3,5 der durch eine geringe Zahl an Mineralen und einer schlechten Stickstoffversorgung hervorgerufen wird.
Desweiteren besitzen Hochmoore einen sehr schlechten Zersetzungsgrad, es existieren nur in den ersten 15 cm Aerobier, diese sind unverzichtbar für die Zersetzung der Pflanzenreste.
Anaerobier (ohne Sauestoff) leben in tieferen Schichten und können die Pflanzenreste kaum zersetzen, es entstehen CO2,
CH4 (Methan = Sumpfgas), H2S ( Schweflwasserstoff = unangenehmer Geruch (faule Eier))
und P2H4 (Phosphorwasserstoff)
Hochmoore benötigen eine lange Zeit um zu wachsen, 1mm pro jahr
Bulten und schlenken sind typische Erscheinungen
Die oberste Schicht im Hochmoor besteht aus Weißtorf(wenig zersetzt),
die unterste Schicht aus Schwarztorf (stark zersetzt)
Fauna (Hochmoor)
Wilde Hochmoore sind besonders arten- und individuenarm.
Keine fische im sauren Wasser.
Keine Schnecken, Muscheln, Krebse oder andere Tiere die viel Kalzium benötigen.
Allerdings besteht eine hohe Artenvielfalt an Insekten, darunter zahlreiche Libellen.
Man findet zahlreiche spezialisierte Käfer und Schmetterlinge und etliche Spinnenarten.
Einzellige Tiere leben meist im Moorwasser.
Als Amphibien wären vorallem der Moorfrosch zu nennen , Schlangen suchen die Moore zum jagen auf.
Flora (Hochmoor)
Es herrscht eine
geringe Artenvielfalt die dafür hochspezialisiert ist.
Das Regenwasser spielt große Rolle für Pflanzen im Hochmoor (da kein Kontakt zum Grundwasser).
Es gibt Phasen extremer Trockenheit.
Wärme Wind können ein wüstenähnliches Kleinklima mit Temp. Unterschieden von 60°C erzeugen
Bodenfröste sind wegen der geringen Wärmespeicherkapazität sogar im Sommer möglich
Die Flora hängt von den Nährstoffen Stickstoff, Phosphor u. Kalium ab
Die meisten naturnahen Moore sind meso – oligotroph ( mäßig – schlecht Nährstoff versorgt)
Der Boden ist schwach sauer bis sauer
Alkalische , eutrophe ( Nährstoffreiche Standorte sind meist Niedermoore mit größerer Flora
Moorleichen im Moor
Moore bieten ideale Vorraussetzungen für die Konservierung von organischem Material.
3 Faktoren sind ausschlaggebend:
1) Der Körper muss sehr rasch im Moor versinken (wird vom Luftsauerstoff abgeschlossen)
Ein Teil der Zersetzungsprozesse findet dadurch nicht mehr statt
2) Huminsäuren im Moor verhindern den Angriff von Fäulnisbakterien
3) wichtigster Aspekt jedoch ist Tanin, die Gerbsäure
Taninmoleküle ersetzen die Wasserstoffbrücken zw. den einzelnen Kollagefasern des Bindegewebes.
Die Haut wird dadurch vollständig gegerbt und konserviert.
Außerdem bleiben im Hochmoor Organe und Haare erhalten.
Das Muskel- und Fettgewebe wird mit der Zeit aufgelöst.
Die Knochen entkalken durch den Einfluss der Säure, werden sehr weich und lösen sich teilweise auf.
Moorleichen bringen wertvolle Aufschlüsse über Kleidung, Ernährung und Zustand der Personen
Torfabbau
Torf fand in der Geschichte vielfältige Verwendung
Die Gewinnung von Brenntorf lässt sich von ca. 23/24 – 79 nachweisen ,
das geht aus Schrifften von „Plinius den Älteren“ hervor
Im Mittelalter wurden im Nordwestdeutschland mit seiner großen Anzahl von Regenmooren viel Torf abgebaut
In Südwestdeutschland waren die Torfvorkommen vor dem 30 jährigen Krieg noch weitestgehend unentdeckt, und nicht beachtet,
1616 jedoch entdeckte Graf Friedrich von Solms zufällig die dort vorhandenen Torfvorkommen.
Daraufhin wurden die Flachmoore um Ulm zur Gewinnung von Brenntorf genutzt
Die systematische Nutzung der großen Torfvorräte begann erst in der zweiten hälfte des 18 Jh.,
durch den Anstieg der Bevölkerung (nach 30 jähr. Krieg) , dies zwang zur Moorkultivierung.
Mangel an Brennholz entstand, da Wald anderweitig genutzt oder abgeholzt wurde.
Moore wurden nun nach der holländischen Fehnkultur (vor ca 100 Jahren entstanden) Kultiviert.
> Nach der Methode des Handtorfstiches wurde über ein Jh. Torf gestochen
Abnehmer waren städtische Haushalte, Kalk-, Gips-, Ziegelbrennereien, Glashütten, Salzsiederein, Brauereien, u. viele andere
> benutzt als Brenntorf
Die einsetzende Industrialisierung brachte neue Maschinen zum Abbau des Brenntorfes.
Der Torfabbau nahm somit mächtigen Aufschwung.
Brenntorf konnte nun industriell gewonnen werden.
Nutzung war dann in Zuckerfabriken und zur Stromgewinnung in Torfheizkraftwerken
Im 20Jh wurde der Brenntorf von Steinkohle und Erdöl verdrängt, da diese Rohstoffe effektiver sind und billiger.
Torf wird heute in Hausgärten und im Gartenbau verwendet , wegen hoher Wasser und Luftkapazität, geringen mikrobiellen Aktivitäten , niedrigem Ph-Wert und geringen Nährstoffgehalt, der Dünger zugaben erlaubt.
Von der deutscher Torfindustrie werden 80% des abgebauten Torfes als Kultursubstrat verwendet > 8 Mio. Kubikmeter
20% werden zu Aktivkohle veredelt > für Kulturbäder > 2.5 Mio Kubikmeter
Industriell wird Weißtorf heute mit Stechmaschinen, ähnlich dem Handstichverfahren abgebaut, Schwarztorf mit Eimerleiterbaggern.
Schwarztorf wird zur Herstellung von Aktivkohle verwendet.
Im Alpenvorland wird Torf im Fräsverfahren abgebaut, nur einige cm pro Jahr
In bäuerlichen Betrieben, Süddeutschlands wurde der Torf im Handstichverfahren, für Brennzwecke und Streutorf abgebaut
Zerstörung und Gefährdung der Moore
Von kaum einem andern Lebensraum stehen so viele Bewohner auf der ""Roten Liste"" wie vom Moor, vor allem Hochmoor.
50% der 200 Pflanzenarten in oligotrophen (Hoch-) Mooren gelten als gefährdet,
ähnliches ist auch schon bei Tieren zu beobachten.
Durch die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung des Torfabbaus, speziell in Hochmooren.
Dramatisch ist das alles erst in der letzten Jahrzehnten geworden.
Daraus entstehen nicht rückgängig machbare Schäden und Verluste
in Niedersachsen z.b sind von 3300km², 67% landwirtschaftlich genutzt, 13% Torfabbau und 20% entwässert.
In der Schweiz sind 65% der Hochmoore vom Menschen beeinflusst bzw. gestört.
Zwischen dem 18Jh. und 1904 verschwanden durch Trockenlegung und Nutzung über die Hälfte aller Niedermoore.
Der Verlust der Akkumulationsfunktion und der oxidative Torfverzehr belastet die Landschaft, und Atmosphäre und verstärkt den Treibhauseffekt.
(oxidativer Torfverzehr= durch Entwässerung werden Schichten die durch Luftmangel entstanden sind , durchlüftet und dadurch kommen Abbauprozesse in Gang).
Neue Arten wie Brennessel und Acker "Unkräuter" siedeln sich an.
Durch die Entnahme von Trinkwasser sinkt der Grundwasserspiegel (Entwässerung).
Torf hat 80-97% Wassergefülltes Porenvolumen, durch Entwässerung sinkt die Torfmächtigkeit.
Vergleich Flachmoor/Niedermoor-Hochmoor
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Quellen
• Internet:
– http://www.botanischer-garten.uni-erlangen.de
– http://www.cuxhaven.city-map.de
– http://www.geo.de
– http://www.geschichte.schleswig-holstein.de/
– http://www.ito.umnw.ethz.ch/
– http://nibis.ni.schule.de/
– http://www.nordwestreisemagazin.de/
– http://www.oester-barkey.de/
– http://www.orchid-rhoen.de/
– http://www.region-braunschweig.de/
– http://www.wissen.swr.de
• Software Lexikon: Encarta Enzyklopädie 2000
• Bücher: Sümpfe und Moore
• Brockhaus Enzyklopädie